Assistenzhund Aaron: Ein Hund, der Halt gibt

Wenn man Jessy und ihrem Hund Aaron begegnet, spürt man sofort diese besondere Verbindung zwischen ihnen – ruhig, vertraut, tief. Aaron ist kein „gewöhnlicher“ Hund. Er ist ein Assistenzhund – und für Jessy weit mehr als das: Er ist ihr Anker im Alltag, ihre Motivation und ihre Sicherheit. Erfahre in diesem Blogartikel mehr über die Aufgaben von Aaron, wie der Alltag der beiden aussieht und warum die Arbeit eines Assistenzhundes so wertvoll ist. Der Besuch bei Jessy und Aaron war Teil meines Fotoprojekts über arbeitende Hunde.
Ein besonderer Hund für eine besondere Aufgabe
Aaron ist ein Chodenländer, eine in der Schweiz eher seltene, kleinere Schäferhunderasse. Geboren am 7. April 2022, lebt Aaron seit Juni desselben Jahres bei Jessy. Gemeinsam absolvieren sie die Ausbildung zum Assistenzhund bei Swisshelpdogs – eine intensive Zeit, die viel Geduld, Vertrauen und gegenseitiges Verständnis erfordert. „Das erste Jahr dreht sich vor allem um den Grundgehorsam“, erzählt Jessy. „Danach beginnt die Fachausbildung: Wir trainieren in Läden, bei Ärzten, Therapeuten. Heute begleitet mich Aaron regelmässig ins Inselspital, zum Hausarzt oder zum Zahnarzt.“
Wie alles begann
An Weihnachten 2019 stand Jessy an einem Tiefpunkt ihres Lebens. Medikamente halfen nur bedingt. Sie suchte nach etwas, das ihr wirklich Stabilität geben konnte. Nach vielen Gesprächen mit Therapeuten und Recherchen über alternative Therapieformen stiess sie auf das Thema Assistenzhunde. „Ich wollte etwas, das immer da ist. Etwas Verlässliches“, erinnert sie sich. Ein Jahr später fasste sie den Entschluss, diesen Weg zu gehen und meldete sich 2021 zu einem Infoabend an. Damit begann ihre Reise, die ihr Leben verändern sollte.
Wenn der Hund mehr ist als ein Begleiter
Jessy lebt mit mehreren chronischen Erkrankungen: Endometriose, Zöliakie, Gastroparese – und einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Für sie bedeutet das, dass viele alltägliche Dinge, die für andere selbstverständlich sind, eine grosse Herausforderung darstellen: Einkaufen, Arztbesuche, Therapien. „Ohne Aaron würde ich vieles davon gar nicht schaffen“, sagt sie ehrlich. „Er gibt mir Halt, Motivation und Sicherheit. Ich bin nicht allein – und das verändert alles.“
Ob beim Arzttermin oder beim Einkaufen: Aarons ruhige Präsenz hilft Jessy, Situationen zu bewältigen, die früher unmöglich erschienen. „Alle mögen Aaron und das erleichtert vieles. Der Start in den Tag, schwierige Gespräche – alles ist leichter, wenn er dabei ist.“
Mein Besuch bei Jessy und Aaron
Ich durfte Jessy und Aaron an einem regnerischen Tag im April besuchen. Während draussen der Regen gleichmässig auf den Asphalt trommelte, kam gerade jemand von der Spitex zu Jessy nach Hause.
So ein Treffen läuft ruhig und vertraut ab: Zuerst gehen Jessy, Aaron und die Spitex-Mitarbeiterin gemeinsam spazieren. Man spürt, wie sich Jessy mit Aarons Unterstützung sicher bewegt – auch in neuen oder ungewohnten Situationen. Wieder zu Hause angekommen, setzen sie sich an den Tisch, trinken etwas, reden, und widmen sich gemeinsam den anstehenden Aufgaben: ein paar Formulare ausfüllen, Termine koordinieren, Büroarbeit erledigen.
Aaron liegt dabei entspannt neben Jessy, beobachtet aufmerksam, und ist trotzdem ganz gelassen. Er scheint genau zu wissen, wann er gebraucht wird und wann einfach seine ruhige Präsenz reicht. Diese Szene hat mich tief berührt: Ein Moment voller Normalität, und doch so besonders.
Ein starkes Team – jeden Tag
Ein typischer Tag mit Aaron beginnt mit einem Spaziergang. Danach geht es regelmässig nach Bern ins Inselspital, wo Jessy Physiotherapie hat. Während sie ihre Übungen macht, liegt Aaron ruhig neben ihr, beobachtet, wartet, ist einfach da. Nach dem anstrengenden Vormittag folgt eine Pause zu Hause, danach wieder Bewegung, gemeinsames Spielen, Entspannen.
„Er spiegelt mich“, erzählt Jessy. „An seinem Blick sehe ich, wie es mir geht. Zudem ist Aaron sehr anpassungsfähig: Wenn ich müde bin, legt er sich hin. Wenn ich Energie habe, ist er voller Freude. Er gibt mir die Stärke, nicht aufzugeben.“
Herausforderungen und Aufklärung
Doch nicht immer stossen Jessy und Aaron auf Verständnis. „Manchmal wissen die Leute zu wenig über Assistenzhunde – bei Ärzten oder in Läden gibt es ab und zu Diskussionen über den Zutritt. Dann erkläre ich die gesetzlichen Grundlagen oder kündige Aarons Anwesenheit im Voraus an.“
Aaron trägt eine Kenndecke mit der Aufschrift Assistenzhund sowie eine Plakette und Notfallnummern. So erkennen Menschen sofort, dass er im Dienst ist. Trotzdem: Aufklärungsarbeit bleibt ein grosses Thema. „Die Akzeptanz ist in der Deutschschweiz besser als in der Westschweiz“, sagt Jessy. „Aber es braucht überall mehr Verständnis. Inklusion ist wichtig – egal ob jemand einen Rollstuhl nutzt oder einen Assistenzhund hat.“
Ein Blick voller Vertrauen
Aaron arbeitet ruhig, konzentriert und mit Freude. Seine Belohnung? Immer dabei zu sein. Autofahren, neue Situationen, Leckerlis – und natürlich die tiefe Verbindung zu Jessy. „Er schaut mich so intensiv an, dann weiss ich, wie es ihm und mir geht. Wir haben eine gemeinsame Freude. Das ist das Schönste.“
Ein Plädoyer für Akzeptanz
Jessy wünscht sich, dass Menschen Assistenzhunde respektieren. „Bitte nicht streicheln, nicht ansprechen, nicht pfeifen. Man darf gerne mit der führenden Person reden – aber der Hund arbeitet.“ Aaron hilft ihr, ein Teil der Gesellschaft zu bleiben. Und er zeigt, wie viel ein Hund bewirken kann, wenn er nicht nur ein treuer Begleiter, sondern ein echter Lebenspartner ist.
Mein Fazit
Die Begegnung mit Jessy und Aaron war für mich sehr schön und lehrreich. Ich habe gesehen, wie stark Vertrauen und Verbundenheit zwischen Mensch und Hund sein können und wie viel Ruhe, Mut und Zuversicht ein Hund schenken kann, nur durch seine Gegenwart.
Aaron ist nicht einfach ein Helfer, er ist Jessys Halt, ihr Kompass im Alltag, ihr stiller Freund. Und Jessy zeigt, mit wie viel Herz, Geduld und innerer Stärke man seinen Weg gehen kann, auch wenn er manchmal steinig ist.
Für mich ist diese Begegnung eine Erinnerung daran, dass Hunde mit einem Job weit mehr leisten, als Aufgaben zu erfüllen: Sie schenken Lebensqualität, Sicherheit, Freiheit, Selbstvertrauen und echte Nähe.
Fotoprojekt über arbeitende Hunde
Ich stelle Hunde mit einem Job in den Fokus und begleite sie bei ihrer Arbeit – sei es bei der Jagd, im Rettungseinsatz, als Therapiehund oder in vielen weiteren spannenden Bereichen. Ich möchte mit dem Projekt zeigen, wie vielfältig, verantwortungsvoll und beeindruckend die Aufgaben sind, die Hunde gemeinsam mit ihren Menschen erfüllen.